Gedichte aus dem Zyklus "Septemberreise"
 

Suceava, Bukowina

Grün diese Stunde. Es gibt keinen Grund
Die Fenster nicht zu öffnen. Wenn an diesem Morgen
Es klopft, an deiner Türe Einlaß fordert,
Ist es die Sonne.

Der Turm weiß. Noch steht das Wort zag im Eisenschatten,
Flüstert sich neu den Weg, als dürfte es
Der eigenen Hoffnung
Noch nicht vertrauen
Als beargwöhnten wir noch die Höhe des Himmels.
 

Auf dem Weg über Land
oder IN TYRANNIS

I.
Stell dir vor, eine ganz normale Straße
Gerade, mit Schotter darauf, eine Wolke darüber
Aber die Wolke ist in Wirklichkeit ein Abhörgerät
Nur größer
Die kleinen Abhörgeräte in deiner Wohnung
Sind nur dazu da, dich wieder hinauszutreiben
Auf die Straße
Und da draußen suchst du dann noch einmal
Dein zerfressenes Leben

II.
Auch der Himmel kein Ausweg. Selbst wenn du nur beschreibst
Stimmlos, wie blau es ist, dein zugeteiltes Stück Himmel
Über deinem niedergehaltenen Kopf
Entweder wirst du sterben an der Erinnerung an die Vögel
Oder es wird aus den Lautsprechern brüllen
Ja, seht doch, wie blau es ist
Und das fürchterliche Auge
Wird ruhen mit Wohlgefallen auf dir.

III.
Und wer das Land so zugerichtet hat
Dem wünsche ich den schlimmsten Fluch von allen an den Hals
Daß ihm jeder einzelne Morgen
Lächelnd beweist, du hast es nicht geschafft
Die Felder wachsen noch
Die Bäume blühen noch
Die Hummeln sind noch da
Der lichte warme Staub am Straßenrand

Die Sonne geht noch auf
Es ist umsonst gewesen
Der Wind streichelt noch die halbdurchsichtigen Hügel
Wir atmen noch
Wir leben noch
 

Schäßburg, Heimatmuseum

Im Heimatmuseum von Schäßburg
Steht unter anderem ein alter Schreibtisch
In Zukunft wird es immer ein wenig so sein
Wenn ich meine Lieder schreibe
Als säße ich daran und würde dort entstehen
Als stünde draußen jemand
Und wartet darauf